Was macht ein Interim-CFO in Krisenzeiten?

Was macht ein Interim-CFO in Krisenzeiten?

Inhaltsangabe

Ein Interim-CFO tritt ein, wenn ein Unternehmen in eine akute Finanzkrise Unternehmen gerät oder die Finanzspitze ausfällt. Er übernimmt kurzfristig Verantwortung, um Liquidität sichern und operative Abläufe zu stabilisieren. In deutschen Mittelständlern, Start-ups und Konzerntöchtern ist das häufig der erste Schritt zur Sanierungsberatung.

Im Aufgabenprofil führt der CFO auf Zeit blitzschnelle Analysen durch, priorisiert Maßnahmen und baut sofortige Governance-Strukturen auf. Er agiert als Krisenmanager und als Schnittstelle zu Banken wie Sparkassen, Geschäftsbanken und Fördergebern wie der KfW.

Die Einsätze gliedern sich meist in drei Phasen: akute Stabilisierung (Tage bis Wochen), Restrukturierung (Wochen bis Monate) und Übergabe an einen permanenten Finanzchef oder Exit. Solche Einsätze erfordern Kenntnis von Insolvenzanzeigepflicht, HGB-Fristen und GoBD-relevanten Anforderungen.

Dieses Kapitel gibt einen prägnanten Überblick, welche konkreten Schritte ein Krisen-CFO setzt, wie Prioritäten vergeben werden und welche Kennzahlen den Erfolg messbar machen. Ziel ist es, praxisnah zu zeigen, wie Restrukturierung und Liquidität sichern Hand in Hand gehen.

Was macht ein Interim-CFO in Krisenzeiten?

Ein Interim-CFO tritt in Unternehmen ein, wenn schnelle Entscheidungen gefragt sind. Er setzt Prioritäten, schafft Transparenz und startet Stabilisierung Maßnahmen, um handlungsfähig zu bleiben. In kurzer Zeit legt er klare Ziele fest und sorgt für strukturierte Kommunikation Investoren und anderer Stakeholder.

Kernaufgaben im Überblick

Der Interim-CFO beginnt mit einer schnellen Bestandsaufnahme der Liquidität. Er erstellt 13‑Wochen-Cash-Pläne und initiiert Liquiditätssicherung durch Factoring, Lieferantenkreditmodelle oder Verhandlungen mit Banken und Vermietern.

Parallel überprüft er Ausgaben und entwickelt Maßnahmen, um die Kostenstruktur restrukturieren zu können. Kurzfristige Einsparungen zielen auf nicht-strategische Ausgaben und variable Kosten. Mittelfristig adressiert er Fixkosten und Personalplanung.

Rolle als Sparringspartner der Geschäftsführung

Als Berater der Geschäftsführung bereitet er Entscheidungsvorlagen auf und simuliert Szenarien. So lässt sich die Wirkung verschiedener Maßnahmen schnell vergleichen.

Er etabliert eine Krisensteuerung Governance mit klaren Meeting-Formaten wie täglichen Cash-Calls und wöchentlichen Steuerungsrunden. Eskalationspfade sorgen dafür, dass kritische Punkte sofort adressiert werden.

Der Interim-CFO übernimmt die externe Abstimmung. Er pflegt die Kommunikation Investoren, stimmt sich mit Banken und Gesellschaftern ab und liefert transparente Zahlen, um Vertrauen aufzubauen.

Messbare Ziele und Erfolgskriterien

Er definiert KPIs für Cash, EBITDA und Working Capital. Klare Kennzahlen wie Liquidity Runway, Days Sales Outstanding und Days Payable Outstanding werden eingeführt.

Kurzfristziele (0–90 Tage) fokussieren auf Cash-Break-Even und eine Liquiditätsreserve. Mittelfristziele (3–12 Monate) zielen auf EBITDA-Verbesserung und Reduktion des Working Capital.

Zur Erfolgsmessung richtet er Management-Reports und Dashboards ein. So lässt sich die Wirkung der Stabilisierung Maßnahmen und der Kostenstruktur restrukturieren nachvollziehbar überwachen.

Finanzanalyse und Liquiditätsmanagement in der Krise

In einer Krisensituation beginnt die Arbeit mit einer klaren, schnellen Bestandsaufnahme. Das Team prüft Bankkonten, Kreditlinien, Fälligkeitsprofile, Forderungsbestände, Lager und offene Bestellungen. Auf dieser Grundlage entsteht ein 13-Wochen-Plan, der kurzfristige Risiken sichtbar macht und erste Handlungsoptionen liefert.

Schnelle Bestandsaufnahme der finanziellen Lage

Die Bilanzpunkte werden auf Liquiditätstauglichkeit geprüft. Parallel werden mehrere Szenarien erstellt, um Abhängigkeiten zu erkennen. Diese Szenarioanalysen helfen, Umsatz-, Einzahlungs- und Auszahlungsannahmen zu quantifizieren.

Ein strukturierter Stress-Test belastet die Plandaten mit realistischen Schocks, etwa Verlust eines Großkunden oder Lieferkettenstörungen. Damit identifiziert das Team kritische Hebel, bevor diese akut werden.

Liquiditätssicherung und kurzfristige Maßnahmen

Finanzierungsinstrumente werden systematisch bewertet. Es folgen Aktivierung von Kreditlinien, Verhandlungen zu Stundungen und Prüfung von Factoring sowie Sale-and-Lease-Back. Öffentliche Programme wie KfW-Überbrückungskredite kommen bei Bedarf zum Einsatz.

Operatives Cash-Management fokussiert auf schnell wirksame Schritte. Beschleunigtes Forderungsmanagement, gezielte Skonti und Priorisierung von Zahlungen schaffen Raum. Parallel werden nicht dringende Zahlungen ausgesetzt und Investitionen verschoben.

Kurzfristige Personalmaßnahmen und Reduktion variabler Kosten ergänzen die Maßnahmenliste. Ziel ist es, Liquidität kurzfristig zu stabilisieren und Kernprozesse zu sichern.

Aufbau von Reporting und Forecast-Prozessen

Ein Liquidity-Board trifft sich regelmäßig mit Geschäftsführung, Finanzteam und relevanten Stakeholdern. Diese Gremiensitzungen beschleunigen Entscheidungen und schaffen Transparenz.

Steuerungsdashboards zeigen Cash-Runway, KPIs und Abweichungen in Echtzeit. Reporting Automatisierung über ERP-Anbindungen und Banken-APIs reduziert manuellen Aufwand und Fehlerquellen.

Rollierende Forecasts wie 13-Wochen-Cash und monatliche Aktualisierungen werden etabliert. Klare Verantwortlichkeiten sorgen für regelmäßige Aktualisierung, Eskalation und nachvollziehbare Cashflow-Prognosen.

Operative Restrukturierung und Kostenoptimierung

Eine klare operative Restrukturierung beginnt mit einer präzisen Kostenanalyse. Sie zeigt auf, welche Bereiche Profit und welche Verluste tragen. Auf dieser Basis lassen sich Einsparpotenziale identifizieren und priorisieren.

Die Analyse der Kostenstrukturen gliedert fixe und variable Posten. Produktkostenträger und Kostenstellen werden getrennt betrachtet. Historische ERP- und Finanzdaten dienen dem Benchmarking gegen Branchenkennzahlen wie BDI- oder KfW-Reports.

Maßnahmen werden nach Cash-Impact, Umsetzungsdauer und strategischer Relevanz geordnet. Damit entsteht eine umsetzbare Roadmap, die kurzfristige Effekte von längerfristigen Initiativen trennt.

Umsetzung von Kostensenkungsmaßnahmen

  • Kurzfristig: Lieferantenverhandlung zur Wiederherstellung von Rabatten, Optimierung von Rahmenverträgen und Reduktion von Marketing- und Reisekosten.
  • Mittelfristig: Prozessautomatisierung, Stellenauslaufmanagement und Standardisierung zur Effizienzsteigerung.
  • Outsourcing nicht-kerngeschäftlicher Aufgaben, um interne Ressourcen zu entlasten und Kosten zu senken.

Personalmaßnahmen werden rechtlich geprüft und sozialverträglich gestaltet. Beispiele sind Kurzarbeit, freiwillige Regelungen und geordnetes Trennungsmanagement unter Berücksichtigung des deutschen Arbeits- und Mitbestimmungsrechts.

Wertorientierte Neuausrichtung des Geschäftsmodells

Die Portfolio-Bereinigung fokussiert auf margenträchtige Produkte und profitablere Kundensegmente. Ein konsequenter Margenfokus hilft, Ressourcen auf ertragsstarke Bereiche zu lenken.

Bei Investitionsentscheidungen werden Entscheidungsunterlagen für einen möglichen Investitionsstopp oder für selektive Fortführungen erstellt. Kapitalrentabilitätsrechnungen wie NPV und IRR sowie Break-even-Analysen bilden die Grundlage.

Change-Management bindet Führungskräfte ein, kommuniziert Prioritäten und sichert Kontinuität in Kernprozessen. So lassen sich Einsparpotenziale identifizieren und nachhaltig im Geschäft verankern.

Stakeholder-Management und Kommunikation während der Krise

Ein Interim-CFO übernimmt in der Krise die Aufgabe, klare Entscheidungsgrundlagen zu liefern und das Vertrauen der relevanten Gruppen zu stärken. Er bereitet nachvollziehbare Sanierungskonzepte mit Zahlen, Maßnahmen und Meilensteinen vor. Diese Unterlagen sind die Basis für Bankgespräche und die Abstimmung mit Gesellschaftern.

Die Kommunikation Krisenfall folgt einer strikten Struktur: transparente, geprüfte Zahlen sowie konsistente Kernbotschaften für Mitarbeiter, Kunden und Kreditgeber. Führungskräfte werden als Multiplikatoren eingebunden und geschult, damit Aussagen einheitlich bleiben und Unsicherheit reduziert wird.

Für Entscheidungen sind szenariobasierte Narrative wichtig. Der Interim-CFO stellt alternative Zeitpläne, Risiken und finanzielle Effekte gegenüber, um Aufsichtsorgane und Investoren zu führen. Gleichzeitig koordiniert er externe Berater wie Wirtschaftsprüfer und Rechtsanwälte, um rechtliche Vorgaben wie die Insolvenzanzeigepflicht nach InsO zu beachten.

Im Fazit agiert der Interim-CFO als vertrauensbildender Vermittler: durch klare Kommunikation, belastbare Sanierungskonzepte und professionelle Vorbereitung von Bankgesprächen schafft er Handlungsspielräume und legt die Grundlage, um langfristig Vertrauen aufbauen und die Stabilisierung des Unternehmens zu sichern.

FAQ

Was macht ein Interim-CFO in Krisenzeiten?

Ein Interim-CFO übernimmt kurzfristig die Finanzführung, um Unternehmen in akuten Notlagen zu stabilisieren. Er führt blitzschnelle Finanzanalysen durch, sichert die Liquidität, verhandelt mit Banken, Lieferanten und Vermietern und setzt kurzfristige Governance‑Strukturen um. Zudem koordiniert er externe Berater wie Steuerberater und Wirtschaftsprüfer und bereitet die Übergabe an einen permanenten CFO oder einen Exit vor.

In welchen Situationen wird ein Interim-CFO typischerweise eingesetzt?

Typische Einsatzszenarien sind starke Umsatzrückgänge, Liquiditätsengpässe, drohende Insolvenz, plötzliche Ausfälle in der Finanzleitung oder strategische Restrukturierungen. Mittelstand, Start‑ups und Tochtergesellschaften internationaler Konzerne in Deutschland greifen häufig kurzfristig auf erfahrene Interim‑CFOs zurück.

Welche sofortigen Stabilitätsmaßnahmen setzt er um?

Zu den Sofortmaßnahmen gehören 13‑Wochen‑Cash‑Pläne, Priorisierung von Zahlungen, Verhandlungen über Zahlungsaufschub, Aktivierung von Kreditlinien, Factoring oder Sale‑and‑Lease‑Back. Er priorisiert kritische Lieferanten und setzt nicht zwingende Ausgaben aus, um kurzfristig Liquidität zu sichern.

Wie sorgt ein Interim‑CFO für schnelle Liquiditätssicherung?

Er prüft Bankkonten und Kreditlinien, verhandelt Stundungen, aktiviert Factoring und öffentliche Förderinstrumente wie KfW‑Programme. Operativ beschleunigt er Forderungseinzug, bietet Skonti an und verlängert Zahlungsziele bei Lieferanten. Parallel werden Investitionen gestoppt und variable Kosten sofort reduziert.

Welche Governance‑ und Reporting‑Strukturen baut er auf?

Der Interim‑CFO etabliert Krisen‑Governance wie tägliche Cash‑Calls und wöchentliche Steuerungsrunden mit klaren Eskalationspfaden. Er implementiert Dashboards mit Cash‑Runway, KPIs und Abweichungsanalysen sowie rollierende Forecasts (13‑Wochen‑Cash, monatliche Forecasts) und definiert Verantwortlichkeiten für Aktualisierung und Eskalation.

Wie definiert er messbare Ziele und KPIs in der Krise?

Relevante KPIs sind Cash, EBITDA, Working Capital, Liquidity Runway, Days Sales Outstanding und Days Payable Outstanding. Kurzfristige Ziele fokussieren auf Cash‑Break‑Even und Liquiditätsreserve (0–90 Tage). Mittelfristig (3–12 Monate) stehen EBITDA‑Verbesserung und Working‑Capital‑Reduktion im Fokus. Reporting ermöglicht transparentes Monitoring gegenüber Stakeholdern.

Welche Analyseinstrumente nutzt er für die finanzielle Bestandsaufnahme?

Er erstellt ein Sofort‑Assessment der Bankkonten, Kreditlinien, Fälligkeitsprofile, Forderungen, Lagerbestände und offenen Bestellungen. Szenarioanalysen (Best‑Case, Base‑Case, Worst‑Case) und Stresstests identifizieren kritische Hebel und quantifizieren Annahmen zu Umsatz und Zahlungsflüssen.

Welche kurzfristigen Kostensenkungsmaßnahmen sind üblich?

Kurzfristig werden Lieferantenkonditionen neu verhandelt, nicht strategische Ausgaben ausgesetzt, Marketing‑ und Reisekosten reduziert und operative Prozesse verschlankt. Personalmaßnahmen wie Kurzarbeit oder freiwillige Abfindungen können rechtlich geprüft angewendet werden. Ziel ist maximaler Cash‑Impact bei schneller Umsetzbarkeit.

Wie geht er bei einer wertorientierten Neuausrichtung des Geschäftsmodells vor?

Er führt eine Portfolio‑Bereinigung durch, konzentriert das Geschäft auf margenstarke Produkte und profitable Kundensegmente und stoppt unrentable Linien. Investitionsentscheidungen werden mit NPV‑ und IRR‑Rechnungen sowie Break‑even‑Analysen bewertet. Führungskräfte werden in Change‑Prozesse eingebunden, um Umsetzung und Kontinuität zu sichern.

Wie kommuniziert der Interim‑CFO mit Stakeholdern in der Krise?

Er erstellt nachvollziehbare Sanierungskonzepte mit Zahlen, Maßnahmenplänen und Meilensteinen. Die Kommunikation ist transparent und konsistent gegenüber Banken, Investoren, Gesellschaftern, Mitarbeitern, Lieferanten und Kunden. Regelmäßige KPI‑Updates und ein einheitliches Narrativ bauen Vertrauen auf.

Welche rechtlichen Pflichten und Compliance‑Aspekte müssen beachtet werden?

In Deutschland sind Insolvenzanzeigepflichten gemäß InsO, HGB‑Bilanzfristen und GoBD‑Anforderungen zu beachten. Der Interim‑CFO stimmt Maßnahmen eng mit Rechtsanwälten und Steuerberatern ab, dokumentiert Entscheidungen sorgfältig und prüft Risiken zur Minimierung persönlicher und gesellschaftlicher Haftungen.

Wie lange dauert ein typischer Einsatz und welche Phasen gibt es?

Einsätze gliedern sich meist in akute Stabilisierung (Tage bis Wochen), Restrukturierung (Wochen bis Monate) und Übergabe (Übergabe an permanenten CFO oder Exit). Die Gesamtdauer variiert je nach Umfang der Krise, häufig zwischen einigen Wochen bis zu zwölf Monaten.

Wann ist der richtige Zeitpunkt, einen Interim‑CFO zu engagieren?

Ein Interim‑CFO sollte frühzeitig engagiert werden, sobald Liquiditätsrisiken, signifikante Umsatzrückgänge oder Führungsengpässe erkennbar sind. Frühes Handeln erhöht die Handlungsspielräume, reduziert Insolvenzwahrscheinlichkeit und verbessert Verhandlungspositionen gegenüber Banken und Lieferanten.

Welche externen Experten sollten eng eingebunden werden?

Essenziell ist die Abstimmung mit Rechtsanwälten, Steuerberatern, Wirtschaftsprüfern, Restrukturierungsexperten und ggf. spezialisierten Debt‑Advisors. Gemeinsam lassen sich Sanierungskonzepte rechtssicher prüfen und Finanzierungsoptionen wie Mezzanine, KfW‑Kredite oder Sale‑and‑Lease‑Back realistisch bewerten.
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