Ein Restrukturierungsberater unterstützt Unternehmen in wirtschaftlichen Schieflagen. Im Krisenfall liefert er rasch eine Lageeinschätzung, konkrete Handlungspläne und die Umsetzungskompetenz für eine erfolgreiche Unternehmenssanierung.
Typische Auftraggeber sind Geschäftsführung, Aufsichtsrat oder Gesellschafter. Der Sanierungsberater verfolgt das Ziel, die Unternehmensfortführung zu sichern, Arbeitsplätze zu schützen und eine Insolvenz zu vermeiden.
Das Kompetenzprofil verbindet betriebswirtschaftliches Know-how, rechtliche Grundlagen des Insolvenzrechts und Verhandlungserfahrung. Häufig kommen Experten aus Wirtschaftsprüfung, Rechtsberatung oder spezialisierten Beratungen mit Erfahrung in Turnaround-Management zum Einsatz.
Der Ablauf gliedert sich in Phasen: Mandat und Erstkontakt, Erstdiagnose, kurzfristige Liquiditätssicherung, operative und finanzielle Restrukturierungsmaßnahmen sowie Verhandlungen mit Gläubigern und langfristiges Monitoring.
In Deutschland prägt der Rechtsrahmen die Vorgehensweise. Lösungen wie Schutzschirmverfahren, Eigenverwaltung und die Regelungen rund um SanInsFo seit 2021 sind oft relevante Optionen in der Krisenberatung Deutschland.
Für weiterführende Informationen zu Aufgaben und Ablauf kann ein praxisorientierter Überblick hilfreich sein, etwa auf ImpulseSeiten, der typische Deliverables und Arbeitsschritte beschreibt.
Wie arbeitet ein Restrukturierungsberater im Krisenfall?
Ein Restrukturierungsberater beginnt mit einem klaren Fahrplan. Er schafft rasch Transparenz über Liquidität, Erträge und operative Risiken. Erste Priorität ist die Krisendiagnose, gefolgt von abgestimmter Kommunikation und rechtlicher Prüfung.
Erstdiagnose und Krisenbewertung
Die Erstdiagnose dient der schnellen Erfassung finanzieller und operativer Ursachen. Typische Werkzeuge sind eine fokussierte Cashflow-Analyse, eine Debitoren- und Kreditorenprüfung sowie eine Break-even-Betrachtung.
Er ergänzt diese Prüfungen mit Szenario- und Sensitivitätsanalysen. ABC-Analysen und Kostenstellenchecks zeigen Produkte mit schlechter Marge. Ziel ist ein Kurzbericht mit Prioritätenliste und Maßnahmen-Backlog.
Warnsignale wie negatives Eigenkapital oder dauerhaftes Minus in der Kapitalflussrechnung werden besonders beachtet. Gekündigte Kreditlinien und sinkende Auftragseingänge fließen in die Bewertung ein.
Kommunikation mit Stakeholdern
Frühzeitige Identifikation relevanter Gruppen ist zentral. Zu den Adressaten zählen Banken, Lieferanten, Kunden, Arbeitnehmervertretungen und Gesellschafter.
Die Kommunikation folgt einem Zeitplan für tägliche liquiditätsbezogene, wöchentliche operative und monatliche strategische Updates. Transparenz bleibt wichtig, sie wird aber strategisch gesteuert.
Für Verhandlungen bereitet der Berater Liquiditätspläne und Sanierungsszenarien vor. Moderation von Gläubigertreffen und Verhandeln über Stundungen oder Factoring sind typische Maßnahmen.
Bei Arbeitnehmern wird der Betriebsrat früh eingebunden, um Konflikte zu vermeiden. Ziel ist ein tragfähiges Stakeholder-Management, das Verlässlichkeit und Handlungsfähigkeit sichert.
Rechtliche Rahmenbedingungen und Insolvenznähe
Der Berater prüft einschlägige Regelwerke wie die Insolvenzordnung und die Pflichten zur Insolvenzantragspflicht bei Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung. Fristen werden klar benannt.
Er identifiziert Insolvenzindikatoren und bewertet Optionen wie Schutzschirmverfahren, Eigenverwaltung oder reguläre Insolvenzverfahren. Dabei prüft er die Eignung eines Sanierungsplan als Alternative.
Geschäftsführerpflichten und Haftungsrisiken werden offen angesprochen. Der Berater arbeitet eng mit Rechtsanwälten und Insolvenzexperten zusammen und dokumentiert Entscheidungen lückenlos.
Praktische Maßnahmen zur Stabilisierung und Sanierung
In akuten Krisenlagen konzentriert sich das Team auf schnelle, nachvollziehbare Schritte zur Aufrechterhaltung des Betriebs. Ein klarer 72‑Stunden‑Plan und ein 30‑Tage‑Plan schaffen Prioritäten. Tagesaktuelle Liquiditätspläne und ein striktes Zahlungsfreigabesystem sind sofort umsetzbar.
Liquiditätsmanagement und kurzfristige Maßnahmen
Das Liquiditätsmanagement setzt auf Cash‑Push‑Maßnahmen wie Einzug offener Forderungen, Factoring und Stundungen. Verkauf nicht betriebsnotwendiger Vermögenswerte bietet schnellen Spielraum.
Monitoring erfolgt über tägliche Cash‑Dashboards und enges internes Controlling. Kurzfristige Kredite von Hausbanken wie Deutsche Bank, Commerzbank oder Sparkassen werden geprüft. KfW‑Programme dienen als ergänzende Option zur Sanierungsfinanzierung.
Operative Restrukturierung
Die operative Anpassung zielt auf schnelle Kostensenkung und Effizienzsteigerung durch Lean‑Ansätze und Portfolio‑Bereinigung. Ein operatives Restrukturierungsprogramm adressiert Overhead, Produktionsabläufe und Logistik.
Outsourcing nicht‑kernrelevanter Funktionen und Neuorganisationen reduzieren Fixkosten. Personalmaßnahmen greifen gestaffelt: Kurzarbeit, Qualifizierung und sozialverträgliche Lösungen vor betriebsbedingten Kündigungen.
Finanzielle Neuordnung und Verhandlungen
Für die mittelfristige Stabilisierung werden belastbare Sanierungspläne und Finanzprognosen erstellt. Diese Unterlagen sind Grundlage für Gläubigerverhandlungen mit Banken, Leasinggebern und Lieferanten.
Strategien umfassen Umschuldungen, Debt‑to‑Equity‑Swaps und vorbereitete Businesscases zur Unterstützung einer erfolgreichen Finanzierungsrunde. Restrukturierungsvereinbarungen und Stundungsvereinbarungen schaffen Raum zur Umsetzung operativer Maßnahmen.
Transparente Kommunikation mit Stakeholdern und eine interaktive Verhandlungsführung erhöhen die Chance, ein formelles Insolvenzverfahren zu vermeiden. Ergänzend sorgt digitale Transparenz für kürzere Reaktionszeiten und bessere Entscheidungsgrundlagen, wie es klassische Facility‑Management‑Aufgaben durch strukturierte Prüfungen und Prozesse unterstützen können: Facility Management Aufgaben.
Erfolgsfaktoren, Methoden und langfristige Begleitung
Ein schneller Start ist oft entscheidend für den Sanierungserfolg. Wenn die Geschäftsführung rasch entscheidet und klare Prioritäten setzt, lassen sich Liquiditätsengpässe oft abwenden. Parallel dazu schafft eine verlässliche Datenbasis Vertrauen bei Lieferanten, Banken und Mitarbeitenden.
Bewährte Turnaround-Methoden bringen Struktur in die Arbeit. Lean Management, Zero-Based Budgeting und Szenario-Planung helfen, Kosten zu senken und Handlungsoptionen zu bewerten. Technische Werkzeuge wie ERP-Systeme, BI-Dashboards und Liquiditätsübersichten unterstützen das tägliche Reporting und das Restrukturierungscontrolling.
Externe Expertise ergänzt interne Kapazitäten. Steuerberater, Insolvenzrechtler und Wirtschaftsprüfer von Firmen wie PwC, KPMG, Deloitte oder EY liefern ergänzende Perspektiven. Gleichzeitig muss ein realistischer Sanierungsplan mit klaren Meilensteinen, KPIs und Eskalationsregeln etabliert werden, damit Turnaround-Methoden messbar werden.
Langfristige Begleitung bedeutet Monitoring und Wissenstransfer. Ein dauerhaftes Restrukturierungscontrolling mit Frühwarnindikatoren sichert die Umsetzung. Schulungen für Führungskräfte und der Fokus auf profitable Segmente und digitale Transformation verankern Nachhaltigkeit und erhöhen die Chance auf dauerhaften Sanierungserfolg.






